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Von Erziehung zur Beziehung

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Claudia

16. Sep. 2020


Eltern stellen sich irgendwann zu Beginn ihrer Elternschaft die Frage, wie sie am besten ihr Kind erziehen. Alle Eltern wünschen sich eine möglichst gute Bindung zu ihrem Kind/ zu ihren Kindern und hoffen, dass sie selbständig, pflichtbewusst und glücklich werden. Nur wie schaffen wir das? Die Antwort lautet: Durch das Führen von guten Beziehungen.

Die Qualität der Beziehungen

„Entscheidend für die Gesundheit der Familie und das Wohlergehen der einzelnen Mitglieder ist die Qualität der Beziehungen.“ (Jesper Juul: 5 Grundsteine für die Familie)

Beziehung und Erziehung, das gehört für mich untrennbar zusammen. Die Stärke der Verbindung zu anderen Menschen wird immer geprägt durch unsere Beziehung zu ihnen. Das gilt sowohl für uns Erwachsene als auch für unsere Kinder. Denn wir stehen mit allen Menschen in unserem Leben in einer Beziehung. Mit jedem dieser Menschen ist die Art, Qualität und Stärke der Verbindung unterschiedlich, da die Art und Weise der Beziehung durch die beiden Beteiligten geprägt wird. Folglich ist der Umgang jedes Einzelnen mit Beziehungen für eben diese ausschlaggebend. Und für eine gute Erziehung unserer Kinder braucht es hauptsächlich eine gute Beziehung zu ihnen und im Idealfall auch das Führen einer ausgeglichenen Partnerschaft.

Auseinandersetzung mit uns selbst

Wie schaffen wir es, in guter Beziehung zueinander zu stehen? Zunächst sollten wir auf uns selbst achten. Auf unsere eigenen Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche, Anliegen, Wertevorstellungen und auf unsere eigene Integrität. Erst wenn wir wissen, was uns wichtig ist, können wir es artikulieren und klare Botschaften senden.

Nach dem Mitteilen können wir von anderen Menschen wahrgenommen werden und unser Gegenüber gewinnt die Chance, darauf einzugehen. Denn das, was sich in unserem Kopf abspielt, sehen und verstehen andere Menschen nicht – wir müssen es ihnen sagen. Dieses Mitteilen ist die Grundlage dafür, Verständnis zu erhalten und Verständnis ist die Voraussetzung für Reaktion.

Wenn dann noch die Reaktion angemessen ist, kann eine gute Beziehung geführt werden. Das bedeutet nicht, dass wir allein durch das Aussprechen von Bedürfnissen diese auch erfüllt bekommen. Es bedeutet aber, dass unser Gegenüber überhaupt erst eine Chance hat, diese Bedürfnisse zu erfüllen (sofern er sie erfüllen möchte), wenn er sie kennt.

Neben unserem Grundbedürfnis nach Autonomie und Selbständigkeit haben wir auch das Grundbedürfnis nach Kooperation und Zugehörigkeit zu anderen Menschen. Dieses Miteinander kann dann erfolgreich gestaltet werden, wenn alle Beteiligten in der Lage sind, möglichst klar zu formulieren, was sie brauchen. In der Folge können die anderen entsprechend darauf reagieren. Dadurch entsteht Offenheit und Klarheit für alle Beteiligten.

Wenn wir wissen, WARUM wir etwas möchten, können wir es anderen auch erklären und dadurch werden sie es besser nachvollziehen können. Die Chance steigt also, dass sie darauf angemessen eingehen werden.

Ebenso fällt es dann viel leichter zu sagen, was wir nicht möchten. Wir können einfacher nein sagen, wenn wir unsere eigenen Grenzen kennen und respektieren. Das hat zur Folge, dass diese Grenzen auch von den anderen eher respektiert werden können.

Kinder lernen durch Vorbilder

Kinder lernen durch Vorbilder. Die ersten Vorbilder unserer Kinder sind wir Eltern. Sind wir in der Lage, so zu leben und zu agieren, wie wir es uns von den Kindern erhoffen, werden sie dies auch tun.

Besteht also Grundklarheit über uns selbst, ist es auch leicht, sie gegenüber den eigenen Kindern zu äußern. Unsere Kinder werden ebenfalls in der Lage sein, gleichermaßen autonom zu werden, das heißt, sich selbst kennen zu lernen, ihre Bedürfnisse zu entdecken, diese auszusprechen und dafür einzustehen. Dann haben sie die Chance, sich zu entfalten, zu wachsen, sich selbst zu spüren und sich selbst zu lieben.

Idealerweise leben wir ihnen auch vor, wie eine gute Beziehung funktioniert. Indem wir als Eltern, Patchwork-Eltern, Freunde usw. gute Beziehungen führen und damit unseren Kindern einen Weg zeigen.

Das gibt ihnen die Basis für ein gutes Miteinander mit den Menschen in ihrem Umfeld – auch mit uns als ihren Eltern. Damit schließt sich der Kreislauf und wir bekommen die Bereitschaft unserer Kinder zurück, ebenfalls in guter Beziehung mit uns stehen zu wollen. Das ist der Grundstein für eine wertvolle und nährende Verbindung und eine authentische und liebevolle Erziehung.